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sixpackfilm, Wien
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Titel:     Jour Sombre
Regie     Johannes Hammel
  original titel:
Jour Sombre
Jahr: 2011
Land: Austria
Länge: 08:00 min
Premiere: 2011 / Austria
Medientyp: Film
Kategorie: Avantgarde/Kunst
Orig.Spr.: Kein Dialog
Credits  
Technische Daten  
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Synopsis
Jour Sombre
Wenn Filmemacher existierende Filme als Ausgang ihrer Arbeit nehmen und diese dann etwa physischen und chemischen Prozessen aussetzen, dann produziert der Widerstand der narrativen Reste des ursprünglichen Materials gegen die Verformung und Abstrahierung der Bearbeitung einen neuen Subtext.
So auch in Johannes Hammels dreiteiligem Jour Sombre. Ausgangsmaterial sind private Filmaufnahmen aus den 50er und 60er Jahren: Ausflüge in die Berge, Wanderungen am Gletscher, Almhütten und Bergseen.
Wir sehen Menschen in Gruppen und verstreut in alpinem Gelände, im Hintergrund das gleißende Weiß eines von einer hellen Sonne beschienen Gletschers. Feldstecher mit dem Blick nach oben gerichtet. Zum Himmel, zur Sonne hin?
Dann plötzlich eine Blase, die das Bild einnimmt, die Landschaft quasi verschlingt, ein grelles Blenden, als würde sich ein vom Eis reflektierter Lichtstrahl direkt in die Kameralinse oder in die Retina einbrennen. Weitere Blasen folgen, die ganze Szenerie kocht auf. Heinz Ditschs Tonspur leistet dem beunruhigenden Szenario Vorschub.
Im folgenden Teil wird dann eine Badende von Scharten und großflächigen Schrammen bedrängt, das ursprünglich idyllische Bild selbst wird rissig und durchfurcht wie ausgetrocknete Erdschollen, die Tonebene liefert dazu die entsprechenden knisternden und scharrenden Sounds.
Der Film ist zur Gänze in Schwarz-Weiß gehalten. Das gilt auch für die zunehmenden chemischen Manipulationen, mit denen Hammel sein Material konfrontiert. Dabei verzichtet er bewusst auf das Farbspektakel sich auflösender Emulsionen und lenkt die Konzentration auf die Formenvielfalt des Zersetzungsprozesses. Durch die Auswahl des Bildmaterials und das Motiv des „Erhitzens“ der Bildoberfläche drängen sich unmittelbare aktuelle Realitätsbezüge auf, das „Schmelzen“ wird zur Allegorie für globale klimatische Veränderungen.
Denn wenn dann im dritten Teil das Bild der idyllischen Almhütte zunehmend zerfließt und kleine amöbenartige Partikel in die entstandenen Ritzen und Spalten drängen, ist die Assoziation zur Evolution neuer Mikroorganismen in ökologischen Umbruchszeiten nicht mehr von der Hand zu weisen.
(Gerald Weber)


Printgrafik: joursombre.jpg

deutsche druck version
   
  filmvideo.at // Jour Sombre erstellt am 2011-08-30 letzte Änderung am 2011-10-11