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Eines Tages, nachts ...
| Eines Tages, nachts … beginnt mit dem dunklen Bild einer schwarzen Frau. Ihr Blick richtet sich auf sie selbst, in den Spiegel. Man kann nicht sagen, dass sie sich zurecht macht. Sie ist da. Sie zupft an ihrem Kleid, prüft, ob es sitzt. Unerwartet wendet sie den Kopf, fährt mit der Hand am Ohr und am Nacken entlang – vielleicht eine automatisierte Geste aus der Vergangenheit – bevor sie plötzlich inne hält und gewissermaßen ins Leere starrt. Dieses Bild verweigert die Konvention der Darstellung von Frauen; von Frauen, die in den Spiegel sehen. Das wird besonders am Ende der Sequenz deutlich: der Blick der schwarzen Frau richtet sich in einer Grossaufnahme an uns – aber da ist nichts oder jedenfalls nichts davon, was wir erwarten, keine Hoffnung und auch keine Anklage. Ihr Blick ist vielmehr ausdruckslos, er betrachtet nicht. Er wirft uns auf uns selbst zurück, auf unseren eigenen Blick, unter dem sich das Gesicht der Frau in eine Erinnerung von Schmerz verwandelt.
Es ist März 2006, wir sind in Bunia, der Hauptstadt von Ituri, einer östlichen Provinz der Demokratischen Republik Kongo. Seit dem ersten Kongokrieg sind zehn, seit dem Beginn der UNO Mission sechs Jahre vergangen. Vergewaltigungen werden nach wie vor als Waffe eingesetzt. In Eines Tages, nachts … kommen alle zu Wort: die Opfer und die Täter und diejenigen, die dazwischen stehen. Rollen werden verteilt, Haltungen eingenommen. Der sprichwörtliche Mann auf der Strasse, ein Richter, ein wegen Vergewaltigung Inhaftierter geben Statements ab. Betroffene Frauen und Mädchen sprechen in Berichten, die aus dem Off oder von MitarbeiterInnen des von Ärzte ohne Grenzen geführten Krankenhauses gelesen werden. Über allem dröhnen die Hubschrauber der schweigsamen, allgegenwärtigen UN-Truppen und kreisen immerzu über der Stadt. (Sylvia Szely)
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