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Mimi Minus in Comeback
| Eine Operndiva (Mimi Minus) hat ihren großen Soloauftritt. Mit glamouröser Geste werden die einzelnen Verwandlungsschritte in der Garderobe ausgiebig zelebriert. Masken und immer neue Schichten werden aufgetragen, bis die Diva eine Diva ist. Von Blumen umgeben, in seidiges Gewand gehüllt, scheint sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Wie als wollte sie diesen besonderen Augenblick zelebrieren, beschwört sie denselbigen mit einem tiefen Blick in die Flamme einer Kerze. Das meditative Ritual wird zum Trigger für das Erscheinen einer zweiten, identischen Operndiva.
Diese jedoch verwandelt sich sogleich unter Einsatz wunderbarster Mattuschkanischer Animationstechnik in eine gealterte, faltige Version des Stars, deren Glamourappeal gleich minus Null ist. Ein freudsches Traumspiel beginnt: Ein seltsam anmutendes Duett im Setting einer expressionistisch angedeuteten Opernbühne. Die junge Diva agiert mit verführerischer Geste mit wunderbarem lautmalerischen Gesang, aus dem Off der Seitenbühne dringt die Stimme der Alten, wie im Nachhall der Erinnerung an große Zeiten, den Vortrag der Jungen paraphrasierend. Ein Duett der orgiastischen Gegenwart mit der schon versiegten Lebenskraft. In der Konfrontation der Beiden widersteht die Junge jedoch der Alten, die sie versucht zur Komplizenschaft zu überreden. Aber der Unwille der Jungen, alle ihre zukünftigen Erfahrungen jetzt schon zu kennen, löst den Zerfall der Alten aus. Augäpfel und Unterarme schweben durch den Raum, Blut rinnt aus dem Mund. Kunst bleibt unkalkulierbar gegenwärtig. Die Diva hüpft lieber unwissend den Sternen entgegen.
(Melanie Ohnemus)
Printgrafik: comeback3.JPG
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