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horizon/1
| Horizont einer Stadt. In heftigen Bewegungen, einmal nach links, einmal nach rechts, wird der Horizont abgefahren, abgetastet, abgesucht, dann die Bewegung abrupt gestoppt, wieder akzeleriert, in den Stadtkörper hineingezoomt. Jedoch: die Stadt wird nicht sichtbar, sie verharrt unerkennbar hinter dem Bild. Es ist die Wahrnehmung eines Apparates, der in zahllosen Versuchen etwas erfassen, erkennen und vielleicht verstehen will, die scheitert. Der apparative Blick wird systematisch durch sich selbst behindert, sein elektronisches Bildfeld unterliegt Störungen des Materials, Frequenzstörungen, Rauschen, ein Ausreißen der Information. Zudem ist er gänzlich unscharf, lässt sein Motiv bloß erahnen. Diese Fehler, dieses Auslassen und Verhindern, sie gestalten, sie formen das Zu-Sehende, das vage Abbild. Sie machen aufmerksam auf den Apparat selbst, lassen seine Präsenz spüren, sein optisches Ungenügen, seine Bilddifferenz ist zugleich sein ästhetisches Projekt.
Vielleicht läßt sich das Shannon´sche Informationsentropiegesetz anwenden: Ein Maximum an Information bedingt/gestaltet ein Maximum an Störung. Der peilende Ton kennt gleichfalls nur zwei Zustände, schnell und punktierend. Er scheint das Bild und seine Suche voran zu treiben, ohne Erfolg. Wenn gegen Ende die Bewegung verlangsamt und die verschleierte Stadt sich beinahe zur Gänze in ein diffuses Grau auflöst, mag die eigene Wahrnehmung eine gewisse Beklemmung befallen ob der Unsicherheit darüber, wer dann nun tatsächlich versucht hat, etwas zu erkennen. (Marc Ries)
Printgrafik: horizon_1b.jpg
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