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Luukkkaankangas – updated, revisited
| In Finnland nehmen Webcams der Finnish Road Administration permanent Bilder aller wichtigen Straßen auf, die dann in einem Intervall von 15-30 Minuten ins Internet gestellt werden. Bevor sie also wegfahren, können die Finnen ihre Straßen zunächst als ein Bild einsehen, und entscheiden, ob sie sie benutzen wollen oder nicht. Entscheidend ist wohl, dass die Kameras die Bilder automatisch, ohne Kameramann, aufnehmen, es also bloße Funktionsbilder sind, ohne jegliche ästhetische Referenz. Der systematischen Leerstelle auf der Seite der Produktion steht eine hoch individualisierte Rezeption gegenüber.
Dariusz Krzeczek gestaltet – ebenfalls als User dieser Bilder – aus ihnen eine singuläre filmische Dramaturgie. Die serielle Montage der Einzelbilder, ihre Entfunktionalisierung und Raffung lässt diese nunmehr als gänzlich andere Bilder lesen. Die Straßen erleben eine eigentümliche Animierung, Beseelung. Sie werden als Organismen wahrgenommen, die sich mit den Licht und Schattenspielen, mit den Wetterverhältnissen und Jahreszeiten verändern. Die Straßen pulsieren, vibrieren, verwandeln sich nach scheinbar uneinsehbaren Gesetzen. Sie beeindrucken, da oft gar keine Autos zu sehen sind, als Gebilde mit selbstreferentiellem Charakter.
Von erhöhten Positionen aus konstruieren die Aufnahmen eine distanzierte, kontrollierende Visualisierung der Straßenzüge. Bei Foucault heisst es: "Je anonymer und funktioneller die Macht wird, umso mehr werden die dieser Macht unterworfenen individualisiert." Je intensiver die Macht der Road Administration mittels Webcams die Straßen kontrolliert, umso mehr erscheinen diese als Individuen, als einzigartige Organismen, die jeder für sich eine besondere ästhetische Existenzweise beanspruchen. Vielleicht bekommen demnächst auch die Landstraßen und Autobahnen Eigennamen, um ihrer Individualisierung gerecht zu werden. (Marc Ries, © medienturm graz)
Printgrafik: luukkaankangas.jpg
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