"frame" beginnt wie der Start zu einem City Drive. Let’s go for a ride, high energy. Der Blick schwenkt flott nach links und rechts: checken, was läuft. Der Beat gibt das Tempo vor.
Die Kupplung rastet ein. Aufbruch.Die Story geschieht im Kopf – nicht vor den Augen. Denn [n:ja] zeigt beinahe nichts als pure, an Raumkoordinaten orientierte Bewegung, angetrieben vom pulsierenden Sound von Radian.
Den ursprünglichen Ansichten einer Stadtfahrt ist so viel an “Realität”, also an Abbild, an Details und Farbigkeit genommen, dass nur mehr Reste und Grundstrukturen davon das Videobild ausmachen. In der ersten “Einstellung” meint man, Passanten zu erkennen, die in unterschiedliche Richtungen eilen. Gegenläufige Blickbewegungen folgen Einzelnen so lange, bis als grafisches Element zwei parallele Linien von links nach rechts ins Bild stoßen und das Auge sozusagen auf Schiene setzen. [n:ja] nimmt die Blickoptionen einer Autofahrt auf: die Pfeilbewegung nach vorn in die Raumtiefe und dazu im rechten Winkel die Wahrnehmung aus dem Seitenfenster als horizontales Gleiten.
Der Raster der Straßen und der Fassaden entspricht dem urbanen Formenvokabular der modernen Sachlichkeit: the grid, das rechtwinklige Gitternetz, nach dem die Entwürfe von Städten und Bauten ausgerichtet sind, seit in New York und Chicago die Moderne durchgestartet und ihren globalen
Siegeszug angetreten hat. Das Tempo von Ton- und Bildablauf und die visuellen Assoziationen zu Durchzugsstraßen, Hochhäusern und Glasfassaden erzeugen, immer noch und immer wieder, das unwiderstehliche Faszinosum, das Metropole und Mobilität als Topoi der Moderne bedeuten. Und die Einsicht, dass die nie eingelösten Versprechen dieser Moderne auf Besseres, Schöneres und mehr Gerechtigkeit wider alle Erfahrung nichts von ihrer Verführungskraft verloren haben. (Stella Rollig)
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