Das Video zeigt mein Gesicht. Es gibt weder Kamerabewegungen noch Schnitte. Meine Augen blicken in die Kamera, bis ich ohnmächtig werde. Der Schlaf der Vernunft dokumentiert nicht die im Oktober 1998 inszenierten Schläge. Die Aktion war die Realisation eines Bildes.
Als Kunsthistorikerin interessiert mich eine Produktion von Text, die Körpern Raum gibt. Die Kunstgeschichte ist eine Disziplin, die den Schreibenden traditionell auf den körperlosen und neutralen Blick festgelegt hat. Es war dieser Rahmen mit seinem repressiven Bild von Sprache, der mich meinen Körper als Grenzlinie zwischen einer Geschichte von Kunst (mir selbst) und Kunst (meinem Objekt) begreifen liess. Der Einsatz meines Körpers ist Teil des Textes. Ich erachte diese Strategie als Chance, disziplinäre, körperliche und intellektuelle Grenzen zu überschreiten. Als Video- und Performancekünstlerin arbeite ich mit/auf Grenzen. Unter Grenze verstehe ich die im Rahmen unserer Kultur gezogenen Trennlinien zwischen dem Begrenzten und dem Ausgegrenzten, dem klar definierten Selbst und dem "Anderen", dem Intellekt und dem Körper. Ich mag Grenzen als Orte des Weder-noch bzw. des Sowohl-als-auch, als Orte, wo scheinbar eindeutige Positionierungen hinterfragt werden müssen. Der Schlaf der Vernunft stellt Fragen. Das Video handelt u.a. vom Akt des Sehens, der ein Akt des Begreifens sein will. Vom Blick ins Leere, der immer ein Blick ins Selbst ist. (Michaela Pöschl)
Printgrafik: pöschl_schlaf_der_vernunft.jpg
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